Generationenkonflikt Büro:  Einzelbüro versus Multi-Space

Generationenkonflikt Büro: Einzelbüro versus Multi-Space

Wie alle Mitarbeiter von einem neuen Bürokonzept profitieren

Die Transformation der Arbeit wird derzeit in vielen Unternehmen diskutiert. Es geht darum, wie wir in Zukunft arbeiten, welche Schritte dazu notwendig sind und wie sich der Wandel auf Zufriedenheit sowie Performance der Mitarbeiter auswirkt. In diesem Beitrag möchte ich zeigen, welche Chancen und Risiken eine Neuerung des Bürokonzeptes mit sich bringen kann.

Der weltweite Büroausstatter Steelcase hat in seinem Global Report nachgewiesen, dass die Zufriedenheit am Arbeitsplatz positive Auswirkungen auf das Engagement der Mitarbeiter hat. Mitarbeiter, die in einem hohen Maße selbst entscheiden können, wo und wie sie arbeiten, sind dabei im Vergleich motivierter, bringen folglich mehr Leistung und bleiben länger in ihrem Unternehmen.

Unternehmen wollen Talente, Talente wollen Freiräume

Die zunehmende Selbstbestimmung der Arbeit hat in unserer Gesellschaft gerade in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Insbesondere die Generation Y, die etwa ein Drittel der aktuellen Arbeitnehmer ausmacht, und die zukünftigen Arbeitnehmer der Generation Z erwarten gewisse Freiräume in der Gestaltung ihres Arbeitsalltags. Flexible Arbeitszeiten, agile Arbeitsplätze und Homeoffice-Möglichkeiten sind immer häufiger wichtige Kriterien in der Wahl des Arbeitsgebers, um eine Work-Life-Integration und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen.

Viele Unternehmen haben bereits erkannt, wie wichtig es für Ihren Erfolg ist, junge Talente zu finden und an das Unternehmen zu binden. So professionalisieren sie ihr Employer Branding, Personalmarketing und Recruiting. Neben den Hard Facts Gehalt, Karrierechancen und Arbeitsmodalitäten können Unternehmen Bewerber immer häufiger auch mit einem attraktiven Arbeitsumfeld überzeugen.

Kollaboration anstatt Einzelbüro

Seit einigen Jahren werden neue Büros immer häufiger als Multi-Space, also als offener Raum ohne fest zugewiesene Arbeitsplätze und mit unterschiedlichen Arbeitsorten, geplant. Der Trend zu mehr Offenheit hat sich in den letzten Jahren durchgesetzt. Viele anerkannte internationale Unternehmen haben weltweit ihre Büros entsprechend transformiert. Warum erfreut sich dieses Arbeitskonzept sowohl bei Arbeitgebern als auch bei Arbeitnehmern großer Beliebtheit?

Für mich ist ein erfolgreiches Multi-Space-Konzept eine offen gestaltete Arbeitsumgebung, in der den Mitarbeitern verschiedene Arbeitsorte zur individuellen und konzentrierten Arbeit als auch für den Austausch im Team zur Verfügung stehen. Die Mitarbeiter können sich je nach Tätigkeit und Bedarf einen geeigneten Arbeitsplatz frei auswählen. Dieses „aktivitätsbasierte Arbeiten“ wird von jungen Talenten häufig aufgrund der vielfältigen Kollaborationsmöglichkeiten sehr geschätzt. Informelle Kommunikationsbereiche ersetzen traditionelle Zellenstrukturen mit Einzel – und Teambüros. Auch fördert das Multi-Space-Büro den team- und abteilungsübergreifenden Austausch und wirkt sich damit positiv auf Innovationsfähigkeit und Durchlässigkeit des Unternehmens aus.

Multi-Space-Büros: eine Frage der Generation

Während das aktivitätsbasierte Arbeiten für die Generation Y bereits gelebte Normalität ist, bleibt die Arbeitsweise für Mitarbeiter der Generationen Babyboomer und Generation X (etwa zwei Drittel der heutigen Arbeitnehmer) gewöhnungsbedürftig. Obwohl die Bedeutung von Work-Life-Balance bei der Generation X schon an Wichtigkeit gewonnen hat, sind diese beiden Generationen meiner Erfahrung nach immer noch geprägt von geregelten Arbeitszeiten, festen Strukturen und Hierarchien. In Ihrer Arbeitswelt gibt es meistens nur zwei Arbeitsorte: ihr fest zugewiesener Arbeitsplatz und formelle Besprechungsräume. Häufig arbeiten sie schon ihr ganzes Leben oder einen sehr langen Zeitraum für ein einziges Unternehmen, Jobsicherheit ist für sie von höchster Bedeutung. Wie lassen sich die unterschiedlichen Arbeitsweisen der Generationen in einem Arbeitsplatzkonzept verbinden?

Einführen neuer Arbeitsformen

Nicht nur der Wandel der Belegschaft, sondern auch die Digitalisierung, veränderte Arbeitsprozesse und die enorme Zunahme von Projektarbeit stellen neue Anforderungen an die Büroflächen. Ich denke es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis in Deutschland der Großteil der Unternehmen aufgrund der aufgezeigten Beweggründe in Multi-Space-Büros arbeiten wird.

Unternehmen, die sich entscheiden diesen Weg zu gehen, sollten die Bedeutung dieser Veränderung für die bestehende Belegschaft jedoch nicht unterschätzen. Für Mitarbeiter die ihr gesamtes Leben an einem festen Arbeitsplatz mit einem geregelten Tagesablauf gearbeitet haben, stellt die Einführung von aktivitätsbasiertem Arbeiten eine große Veränderung und damit Verunsicherung dar. Häufig bedeutet die Umsetzung eines Multi-Space Büros beispielsweise den Verlust des Statussymbols „Einzelbüro“, auf das Mitarbeiter mitunter langfristig hingearbeitet haben.

Einbeziehen des Teams

Unternehmen sollten diese Sorgen und Ängste ihres Teams ernst nehmen und es schrittweise auf die Veränderungen am Arbeitsplatz vorbereiten. Unternehmen, die ihre Mitarbeiter aktiv in die Gestaltung des neuen Arbeitsplatzkonzeptes einbezogen haben, konnten die Erfahrung machen, dass das neue Arbeitsumfeld langfristig auch bei erfahreneren Mitarbeitern zu einem gesteigerten Wohlbefinden am Arbeitsplatz geführt hat. Hierbei spielt auch die Toleranz für unterschiedliche Arbeitsdynamiken eine wichtige Rolle, damit eine harmonische Zusammenarbeit der verschiedenen Generationen möglich ist.

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