Matthias Leube

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23. Investment-Strategie 2021:

Das sind die Fokusthemen für das kommende Immobilien-Jahr

Abschluss Webtalk Screenshot

22. Oktober 2020 – In der Abschluss-Session der vierwöchigen „What’s Next?“-Serie habe ich die wichtigsten Erkenntnisse aus 22 Web-Talks zusammengefasst und mit meinen Gästen diskutiert. Neben der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland haben wir einen besonderen Schwerpunkt auf die Megatrends Digitalisierung und Nachhaltigkeit gelegt. Meine Gäste waren Prof. Marcel Fratzscher (DIW), Emanuel Radits (alstria), Heike Gündling (Eucon) und Sebastian Grieme (Fridays for Future).

Die volkswirtschaftliche Entwicklung

Zu Beginn gab Prof. Fratzscher einen Überblick über den Status quo der deutschen Volkswirtschaft im globalen Kontext und die Perspektiven für das Jahr 2021. Klar ist: Die Weltwirtschaft befindet sich wegen der Corona-Krise in einer Rezession und Europa zählt mit -9,3 Prozent im Jahr 2020 zu den wirtschaftlichen Schwachpunkten. Gleichzeitig wird die deutsche Wirtschaft mit prognostizierten -6 Prozent weniger schrumpfen als befürchtet und zeigt bislang eine überdurchschnittliche Resilienz, auch gestützt durch massive staatliche Unterstützung.

Südkorea als Vorbild

Auf die Frage, welche Länder die Krise besonders gut gemeistert hätten, verwies Prof. Fratzscher auf den asiatischen Raum mit den Musterbeispielen Südkorea und China, die bereits wieder Wachstum verzeichnen. Vor allem das demokratische Südkorea kann als Beispiel für europäische Staaten gelten mit einer sehr wirksamen Strategie aus „Testen, Isolieren und Nachverfolgen“ auf der Grundlage transparenter Daten über den aktuellen Zustand der Gesellschaft und möglicher Gefahrenherde. Als besonders gute Krisenmanager in Europa hob er Dänemark und Norwegen hervor.

Digitalisierung: KI- und Plattform-Lösungen sind gefragt

Im Deep Dive zum Trendthema Digitalisierung hat Heike Gündling (Eucon) beschrieben, worauf es für Immobilienunternehmen im Jahr 2021 ankommt. Demnach hat die Corona-Krise den digitalen Wandel spürbar beschleunigt. Begleiter dieses Wandels sind vor allem smarte KI-Lösungen, die für mehr Prozesseffizienz in der Immobilienwirtschaft sorgen.

Außerdem hat sie stark dafür plädiert, dass die Immobilienbranche digitale Ökosysteme etablieren muss, die von einem zentralen Plattformgedanken ausgehen. Hier kommt es dann weniger auf das Verhältnis „Auftraggeber versus Dienstleister“ an, sondern auf kollaborative, skalierbare Lösungen für einzelne Gebäude, Quartiere und Portfolien. Emanuel Radits (alstria) verwies in diesem Kontext auf die Bedeutung einheitlicher Standards für die Immobilienwirtschaft, die weiter forciert werden müssen, um effiziente Plattformlösungen überhaupt erst zu ermöglichen.

Nachhaltigkeit: Sanierungsrate im Bestand muss steigen

Eine Überleitung zum Megatrend Nachhaltigkeit und Klimaschutz lieferte uns das Stichwort Green Tech, also die intelligente Verknüpfung von Nachhaltigkeitszielen und modernen Technologien, etwa durch Sensorik in den Gebäuden. Gestützt auf eine aktuelle Studie des Wuppertal Instituts betonte Sebastian Grieme (Fridays for Future), dass die Sanierungsrate von Bestandsgebäuden in den kommenden Jahren massiv anwachsen muss, damit Deutschland das 1,5 Grad-Ziel bis zum Jahr 2035 noch einhalten kann.

Aktuell wird nur 1 Prozent des Bestands pro Jahr saniert, diese Quote müsste umgehend auf 4 Prozent ansteigen, verbunden mit massiven Investitionen. Emanuel Radits verwies darauf, dass die Sanierungsquote bei alstria heute schon bei 5 Prozent liegt, aber sein Unternehmen ist hier absolut in der Vorreiterrolle und nicht repräsentativ für die deutsche Immobilienszene.

Fossile Brennstoffe bremsen den Wandel

Sebastian Grieme plädierte außerdem für einen deutlich höheren CO2-Preis sowie erhöhte Anforderungen an die energetische Sanierung. Unter anderem schlug er ein Verbot von Heizsystemen auf Basis fossiler Brennstoffe wie Erdgas, Erdöl und Kohle vor, um damit Heizungen mit regenerativen Energiequellen in kurzer Zeit zum ökologischen Standard zu machen.

Prof. Fratzscher bezifferte in diesem Zusammenhang den Investitionsbedarf zur energetischen Gebäudesanierung in Deutschland auf 14 bis 17 Milliarden Euro pro Jahr. Allein diese Zahl zeigt: Die Nachhaltigkeitswende in der Immobilienwirtschaft ist eine riesige Aufgabe, die wir alle zusammen angehen müssen.