Dirk Hoenig Ohnsorg

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Head of Retail Investment | Germany

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Informationen gemäß Art. 13 EU-DSGVO

08. Transformation der Innenstädte:

Welchen Einzelhandel brauchen wir für attraktive urbane Räume?

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19. März 2021 – in unserem Retail Web-Talk mit Christine Hager (German Council of Shopping Places), Maximilian Ludwig (Real I.S.), Rudi Purps (Centrum) und Patrick Rüther (Tellerrand Consulting) über die Zukunft unserer Innenstädte haben wir die Frage erörtert, warum der stationäre Einzelhandel auch nach Corona unter Druck bleiben wird und dabei einen speziellen Fokus auf die Gastronomie gelegt.

Gleichartig statt einzigartig

Stark geschwächt von den Lockdowns wartet der Einzelhandel sehnsüchtig auf sinkende Inzidenzen und steigende Frequenzen. Dabei hat die Corona-Krise ein bereits bestehendes Problem im Einzelhandel lediglich sichtbarer gemacht: Viele unserer Innenstädte und Shopping Center verfügen über zu wenig Anziehungskraft.

Ein hoher Grad an Filialisierung gepaart mit mutlosen Konzepten lassen Charakter und Seele von Einkaufsstraßen vermissen. Die Sortimente ihrer Lieblingsmarken finden Kunden unkomplizierter und in voller Breite online. Spätestens im Lockdown haben alle Konsumenten dieses learning ziehen können. Städte und Shopping Center müssen also andere Wege gehen, um wieder Begeisterung und Attraktion auszulösen.

Der Weg aus der Monotonie verläuft ungerade

Hierzu gibt es vielversprechende Ansätze: Erfolgreiche Konzepte der Zukunft sind viel kleinteiliger, bunter und stärker auf das Erlebnis aus. Selbst große Ketten verinnerlichen diesen Transformationsprozess und bieten immer häufiger individuelle Konzepte an, die verstärkt Ästhetik und den Wunsch nach Gemeinschaftserlebnis ansprechen. Inhabergeführte Unternehmen genießen hier allerdings einen Vorsprung im mindset. Durch signifikant weniger stark ausgeprägten Markenzwang und fehlende Konzernregularien agieren kleine Einzelhändler deutlich beweglicher. Dem gegenüber stehen Marktmacht und finanzielle Möglichkeiten der großen Marken.

Auch flexiblere Mietpreismodelle, beispielsweise in Abhängigkeit zum Umsatz, fördern das Entstehen und den Erfolg von exotischen Konzepten. Dafür braucht es den Willen der Eigentümer, die – kurzfristig betrachtet – damit zunächst weniger Miete einnehmen, auf lange Sicht mit diesem Entgegenkommen ihren Standort nachhaltig stärken. Gerade wenn sie mehrere Einheiten halten, können solche Exoten auch gegenfinanziert werden, da arrivierte Marken von deren Anziehungskraft profitieren.

Food ist das neue Fashion

Eine Schlüsselrolle bei der Transformation im Retail kommt innovativer Gastronomie zu. Auch im Food-Bereich müssen die Konzepte bunter werden, mehr Mut zur Eigenheit und mehr Bereitschaft für Flexibilität an den Tag legen. Gerade nach der Unsicherheit der Corona-Krise wird der Hunger der Konsumenten auf Genuss und soziales Miteinander groß sein.

Um diesen zu erwartenden Rückenwind aufzunehmen und damit auch gesamte Einzelhandelslandschaften zu beflügeln, müssen Betreiber jetzt den Mut für kleinteilige, charakterstarke und sogar kurzzeitige Plug-and-Play-Konzepte aufbringen, die das geänderte Verhalten ihrer Gäste antizipiert.  

Allianz für Attraktivität

Händler, Immobilieneigentümer sowie -entwickler und Kommunen müssen dafür an einem Strang ziehen – denn sie alle sind Teil derselben Schicksalsgemeinschaft, deren Herausforderung es ist, Innenstädte vor der Verödung zu bewahren und lebendige Konzepte mit hoher Anziehungskraft zu etablieren. Der mächtigste Faktor allerdings bleiben die VerbraucherInnen. Mit ihrem Kaufverhalten diktieren sie, welche Konzepte an welchen Standorten reüssieren.