gestapelte Erdbälle

Globalisierung als Impulsgeber für Industrie & Logistik

Unvorstellbar wäre heute eine Welt ohne den grenzübergreifenden Handel und die globalen Waren- und Geldströme um den Globus herum nehmen weiterhin rasant zu. Deutlich zeigt sich das vor allem in der Entwicklung der Warenexporte, die in den vergangenen Jahren zunehmend positive Wachstumsraten verzeichnen konnten. Dafür ist vor allem der Mega-Trend Globalisierung verantwortlich. Dieser Trend sorgt dafür, dass wir Waren aus aller Welt importieren und allseits beliebte Produkte „Made in Germany“ im großen Stil exportieren können. Damit zählt Deutschland zu einem der drei wichtigsten Exportländer auf der ganzen Welt. Doch was ist eigentlich die Globalisierung genau und welche Auswirkungen hat diese auf den Logistikmarkt?

Die Vernetzung über staatliche Grenzen hinweg ist einer der weltweit impulsivsten Entwicklungen, die vor allem langfristig auf die Politik, den Handel und die Kultur Einfluss nimmt. Die enge internationale Zusammenarbeit von Ländern und Wirtschaftszentren findet statt und ist maßgeblich entscheidend für den problemlosen Austausch von Gütern, Kapital, Informationen und Wissen. Der Handels- und Kapitalaustausch ermöglicht dadurch eine Spezialisierung der Länder auf ihre Kernkompetenzen und Produkte, die sie besser oder günstiger herstellen können als andere. Aus dieser besseren Nutzung der Produktionsfaktoren resultieren Wohlstandsgewinne.

Was zeichnet die Globalisierung aus?

Der Zugang zu neuen Märkten, der Wegfall von Handelsbarrieren und der vereinfachte und schnelle Informationsaustausch sind nur einige Vorteile, die die Globalisierung mit sich bringt und von denen Menschen und Unternehmen profitieren.

Vor allem bei Industrieunternehmen ist die Verlagerung der wirtschaftlichen Aktivitäten besonders stark verbreitet. Die im Vergleich zum heimischen Markt günstigeren Kostenstrukturen für Material, Arbeitskräfte und Steuern sind unter anderem wesentliche Gründe für die Verlagerung der Standorte ins Ausland. Die Automobilindustrie beispielsweise zeigt wie keine andere Branche deutlich die weltweite Verflechtung verschiedener Produktionsstandorte.

Die Dynamik der Globalisierung wird als Chance genutzt, um daraus Wettbewerbsvorteile ziehen zu können und die lokale Wertschöpfung zu nutzen. In den ausländischen Fabriken der deutschen Hersteller werden jährlich doppelt so viele Autos produziert wie in den Autowerken in Deutschland. Neben den asiatischen Märkten wie China sind es vor allem die USA und Mexiko, die für die deutschen Autobauer bedeutende Produktionsstandorte darstellen. Teile aus aller Welt werden dann ans Werk geliefert, teilweise sogar aus Deutschland selbst und das entsprechende Modell für den Transport und die Lieferung in den jeweiligen Absatzmarkt vorbereitet.

Chancen und Herausforderungen

Durch die Prozesse der Globalisierung entstehen neue Entwicklungschancen aber auch zunehmend neue Herausforderungen. Die sich weltweit ausbreitenden Güterströme sorgen unter anderem für eine höhere Komplexität bei den logistischen Prozessen („Supply-Chain“), weil Exportumschläge und das Auslagern von Wertschöpfungsprozessen weiterwachsen. Das führt vor allem im Transportwesen zu deutlichen Veränderungen und neuen Wegen in der Logistik.

Um die Effektivitätssteigerung und Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen, werden hohe Investitionen in den Ausbau der Infrastruktur gesteckt. Multimodale Güterverkehre, also der Transport über Straße, Schiene, Luft und Wasser im Vergleich zum reinen Straßentransport gewinnen hier immer mehr an Bedeutung. Zwar dominieren Lastkraft- und Lieferwagen den Gütertransport aufgrund ihrer Verfügbarkeit/ Geschwindigkeit vor allem bei der letzten Meile, doch durch geplante Fahrverbote für Kraftfahrzeuge in europäischen Innenstädten könnte der Straßentransport bald an Bedeutung verlieren. Eine Alternative stellt der Schienen- und Wasserverkehr dar, der hinsichtlich der steigenden Bedeutung bei der nachhaltigen Logistik eine zunehmend wichtigere Rolle spielen wird.

Globalisierung und Digitalisierung

Unabdingbar ist hier allerdings auch der reibungslose Transfer von Information und Technologie. Die Qualität der technischen Infrastruktur ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, auch hier wurden hohe Investitionen in Automatisierungsprozesse und Standardisierungen im Transportwesen vorgenommen, die die Branche deutlich geprägt hat. Der Fokus wird verstärkt auf die Forschung und Entwicklung von neuen Technologien gelegt, wodurch sich eine vierte industrielle Revolution entwickelt hat, die modernste Informations- und Kommunikationstechnik in die Produktionsprozesse integriert. Weitestgehend selbstorganisierte Produktionsabläufe können mithilfe von intelligenten, digital vernetzten Systeme entstehen und die Industrieabläufe revolutionieren.


Weitere Artikel von diesem Autor:

Bonn

Investmentmarkt NRW: B&C-Städte im Fokus

Die in besonders hoher Anzahl in Nordrhein-Westfalen vertretenen B&C-Städte stellen einen eigenen Markt dar, in dem es im aktuellen Marktumfeld eine Vielzahl an attraktiven Investments gibt. Stabile Renditeaussichten, moderate Risiken und eine gut gefüllte Projektpipeline erregen die Aufmerksamkeit von nationalen und internationalen Investoren abseits der Hochburgen Düsseldorf und Köln. B&C-Städte in Nordrhein-Westfalen Als B-Städte werden […]
Berlin

COVID-19: Warum Spitzenmieten und Kaufpreise in Deutschland robust sind

Eine aktuelle IW-Studie mit der Headline „Wo Büros jetzt günstiger werden“ sorgt derzeit für Aufsehen. Die Forscher nehmen europäische Büromärkte in den Blick und leiten rein aus der prognostizierten BIP-Entwicklung deutlich fallende Spitzenmieten und Kaufpreise ab. Um ein volles Bild einer möglichen Entwicklung der Büromieten und-Kaufpreise zu erhalten, sollten weitere Daten berücksichtigt werden. Schließlich hängt […]
Mehr

Weitere Artikel zu dieser Rubrik:

Wohnmarktbericht 2020

Gute Aussichten: Der Wohnmarkt in Deutschland

Wohnungen in Deutschland gehören zum überwiegenden Teil direkt oder indirekt den Bürgerinnen und Bürgern selbst. Entgegen gängiger Auffassung sind nur 13 Prozent der Wohnungen in Deutschland im Besitz privatwirtschaftlicher Unternehmen, mit 43 Prozent halten dagegen Privatpersonen den größten Anteil. Weitere große Bestandshalter sind Eigentümergemeinschaften, die öffentliche Hand und Genossenschaften. Weil die gesamte Bevölkerung Eigentümer oder […]
High Angle View Of People On Street Amidst Modern Buildings Against Clear Sky

Die neue Gesellschaft: Lebensanforderungen und Immobilienbedarf nach der Krise

Zum Auftakt der Colliers Web-Talk-Serie “What’s Next?“ habe ich mit dem Zukunftsforscher und Bestsellerautor Matthias Horx über die Zukunft nach Corona diskutiert. Gemeinsam haben wir beleuchtet, welche gesellschaftlichen Veränderungen die Coronakrise nach sich zieht und welche Auswirkungen dies auf den Immobilienbedarf hat. Hier die wichtigsten Ergebnisse: Werteverschiebung in der Gesellschaft Anders als bei spezifischen Krisen […]
Mehr