Roboter schweißt Autokarosserie

Digitale Evolution, industrielle Revolution?

Als Kinder unserer Zeit leben wir den Megatrend Digitalisierung und Vernetzung. Alltäglich kommunizieren wir in sozialen Netzwerken, folgen den Aufforderungen unserer Sport-App und shoppen via Smartphone bei dem Anbieter, der die besten Bewertungen erhalten hat. Natürlich möchten wir das Produkt, das wir bestellt haben, noch am selben Tag geliefert bekommen.

Was sich gesellschaftlich und auf Dienstleistungsebene inzwischen etabliert hat, stellt für komplexe Produktionsvorgänge in der Industrie eine enorme Herausforderung und gleichzeitig eine ebenso große Chance dar. Immer stärker profitieren Produzenten von der digitalen Vernetzung. Immer schneller optimieren sie ihre Abläufe. Unter dem Begriff Industrie 4.0 verstehen wir das Vorhaben, alle Produktionsschritte im Einzelnen, aber auch den gesamten Wertschöpfungsprozess über Standort- und Unternehmensgrenzen hinweg optimieren zu können.

Was kann die Smart Factory?

Viele Zeitgenossen sehen in der aktuellen Entwicklung bereits die vierte industrielle Revolution. Ob diese Einschätzung zutrifft wird sich jedoch erst im Rückblick beurteilen lassen. Klar ist, dass die technischen Möglichkeiten starke Auswirkungen auf unsere Prozesse haben werden. Menschen, Maschinen, Bauteile und Logistik kommunizieren und kooperieren direkt miteinander. Roboter und intelligente Produktionsmaschinen leisten nicht mehr „nur“ ihren programmierten Arbeitsschritt, sondern verbinden sich untereinander und treffen autonome und situativ angepasste Entscheidungen. Sie lernen sogar aus ihren Erfahrungen – ein erster Schritt von künstlicher Intelligenz. So entsteht die Smart Factory.

Diese intelligente Fabrik verfügt in ihrem Inneren über gut ausgebildete Mitarbeiter und High-Tech-Produktionsmittel, die sich mithilfe hoch performanter Softwarekomponenten in großen Teilen des Prozesses selbst organisieren. Doch welche Voraussetzungen muss das Gebäude einer solchen Smart Factory erfüllen? Welche neuen Faktoren entscheiden in Zukunft also darüber, ob sich ein Produktions- und Logistikunternehmen an einem Standort ansiedelt?

Umfrage: Der Standort der Zukunft

Diese Fragen haben wir nicht nur uns selbst gestellt. Wir haben sie auch in einer Umfrage von vielen Branchenvertretern und Experten beantworten lassen, um ein realistisches Bild der aktuellen Stimmungslage zeichnen zu können. Mehr als 75% der Befragten geben an, dass Industrie 4.0 die Produktion verändern wird. Ebenfalls die überwiegende Mehrheit (78%) erwartet, dass die Digitalisierung auch Standortfaktoren verändern wird.

Angesprochen auf einzelne konkrete Standortfaktoren der Zukunft, kristallisierte sich bei unseren Geschäftspartnern klar die Digitalisierung des Standortes als kommender Erfolgsfaktor heraus. Gemeinsam mit infrastrukturellen Faktoren wurde die Bereitstellung eines Breitband-Internetanschlusses als aktuell hauptsächlicher Standortfaktor ausgemacht.

Und für die kommenden Jahre rechnen die Experten mit einer wachsenden Bedeutung der Thematik: über 87% der Befragten stimmten der These „Internet wird in Zukunft das Nonplusultra-Kriterium für Standorte“ teilweise oder vollständig zu. Über 40% der Befragten rechnen zudem damit, dass Unternehmen aufgrund der Digitalisierung ihren Standort wechseln werden.

Schnelles Internet als Standortvorteil

Unsere Befragten rechnen mit einer weiteren Bewegung von Industrie- und Logistikunternehmen in Richtung der Ballungszentren. Dort werden nach ihrer Einschätzung besonders Big Boxes (über 10.000 m2 Fläche) und kleinteilige Logistikflächen (500 – 1.000 m2) in den Fokus rücken.

Der Flächendruck in den Metropolen wird also voraussichtlich weiter zunehmen, weil Unternehmen im Zuge der Digitalisierung in den Ballungsräumen die besten Voraussetzungen für sich erwarten. Neben der aktuellsten und schnellsten Internet-Verfügbarkeit erhoffen sich die Befragten dort zudem die qualifiziertesten Arbeitskräfte und die beste infrastrukturelle Anbindung.

Netze optimieren, Risiken minimieren

Weil nicht alle produzierenden und logistischen Unternehmen die Möglichkeit haben, ihren Standort von ländlichen Regionen in die Ballungsräume zu verlagern, muss die Politik auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene nachhaltige Konzepte für periphere Gebiete entwickeln. Ein großer Erfolgsfaktor dabei wird die flächendeckende Bereitstellung des schnellstmöglichen Netzes sein. Mit der „Digitalen Agenda“ hat sich das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur das Thema bereits auf die Fahnen geschrieben.

Doch neben Investitionen in den Netzausbau müssen den Unternehmen, die sich an der Schwelle zu Industrie 4.0 befinden, auch leistungsstarke Lösungen für die IT-Sicherheit geboten werden. Je mehr Prozesse online aufgesetzt und gesteuert werden, desto größere und empfindlichere Datenmengen befinden sich im Umlauf. Die Sicherheit dieser Daten vor Industriespionage und Hacker-Angriffen muss aus nationalem Interesse gewährleistet werden.

Nur erfolgreiche Konzepte zu Breitbandausbau und IT-Sicherheit sowie die weitere Fokussierung auf Bildung und Infrastruktur werden den Standort Deutschland zu einem Gewinner der Digitalisierung und von Industrie 4.0 machen.


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