Mann in Schürze vor Café mit Werkstatt

Gentrifizierung – viel Talent, keine Kohle…

Was haben die Schanze in Hamburg, Kreuzberg in Berlin oder noch internationaler die Brooklyn Heights in New York bzw. Aker Brygge in Oslo gemeinsam? Woran erkennt man ein Viertel im Wandel? Wer gibt den Anstoß? Fragen über Fragen, die erstmal einer Erläuterung bedürfen:

Per se bedeutet Gentrifizierung ein sozialökonomischer Strukturwandel in großstädtischen Vierteln. Als Paradebeispiel kann hier Berlin gelten, welches in den letzten 25 Jahren in zahlreichen Vierteln einen Strukturwandel durchlebt hat. In der Regel handelt es sich dabei um innerstädtische Gebiete mit gutem ÖPNV- Anschluss, einem geringen Mietpreisniveau und einer schlechten baulichen Struktur.

Egal ob Start-Ups aus der Tech-Branche oder lokale Style-Ikone mit Pop-Up-Shop – diese Eckdaten bieten optimale Voraussetzungen für junge, kreative Kräfte. „Unternehmer in spe“, egal aus welcher Branche, können und wollen zu Beginn Ihrer Laufbahn nicht in etablierte Standorte investieren und gehen lieber dahin, wo sie Gleichgesinnte und günstige Rahmenbedingungen finden.

Trendsetter, cooler Hund oder Eintagsfliege?

Diese „Gründerszene“ lebt einen anderen Lifestyle: von der brachliegenden Industriefläche bis zum Loft – anders als das herkömmliche Büro oder das klassische Ladenlokal fördern außergewöhnliche Umgebungen die kreative Denkweise und ziehen dementsprechend junge Unternehmer an.

Hier kommt es durch die Sozialisierung der Generation X & Y zu einer Verschmelzung zwischen Arbeits- und Privatleben. Dadurch begünstigt dieses Umfeld auch das Entstehen hipper Bars und Cafes, in denen sich Beruf, Freizeit und der unprätentiöse way of life miteinander verbinden lassen. Die ersten kleinen Erfolgsgeschichten lassen weitere „Hipster“ aus diversen Branchen nachziehen: die unkonventionellste Burgerbude, der ironischste Coworking-Space, der abgehobenste Barber-Shop und die frischeste Werbeagentur schießen aus dem Boden. Die Gentrifizierung des Viertels hat begonnen.

Auswirkungen – der Kreis schließt sich

Die objektive Standortqualität verbessert sich enorm. Einige der Start-Ups etablieren sich und werden zu richtigen Unternehmen. Die veränderte Wahrnehmung des ehemaligen Nischenstandortes macht im Großstadtgezwitscher schnell die Runde und schließlich steht ein Besuch des „Trendviertels“ sogar auf dem Reiseplan vieler Touristen.

Die Immobilien-Eigentümer im Viertel freut’s – sie erhöhen aufgrund der wachsenden Nachfrage ihre Mieten spürbar. Neue Bauprojekte werden aufgrund der zu erwartenden Einnahmen hochwertiger angefertigt, als in dieser Gegend vorher üblich. Langsam aber sicher entwickelt sich das Viertel zu einem gestandenen Wohn- und Geschäftsumfeld, in dem Start-Ups, kaum noch Chancen haben, die inzwischen aufgerufenen Preise zu bezahlen.

Das Viertel zieht nun arriviertere Personen und Unternehmen an, die Willens und in der Lage sind höhere Mieten zu bezahlen, um sich mit dem immer noch klangvollen Namen des Viertels zu schmücken. Doch die Innovationen bleiben aus – stattdessen öffnen immer mehr große Konzerne Filialen im scheinbaren Hipster-Kiez.

Die neue Generation Hipster – abgeschreckt von hohen Lebenshaltungskosten und alarmiert von der plötzlichen Präsenz der Spießbürger – zieht mit ihren Ideen weiter ins nächste strukturschwache Viertel und das Gentrifizierungs-Spiel beginnt von vorn.


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